Aktuell im Fokus
Zehn Jahre HSK
Zwei Stimmen, ein gemeinsamer Weg
Zum zehnjährigen Bestehen der Einkaufsgemeinschaft HSK als Aktiengesellschaft blicken wir auf ein Jahrzehnt zurück, in dem sich HSK von einer neuen Akteurin zu einer etablierten Kraft im Leistungseinkauf entwickelt hat. Die Jahre waren geprägt von anspruchsvollen Verhandlungen, neuen Tarifstrukturen und einem Gesundheitswesen im Umbruch. Gleichzeitig entstanden datenbasierte Modelle und Lösungsansätze, die das System spürbar geprägt haben.
Mit unserer dreiteiligen Interviewserie lassen wir Menschen zu Wort kommen, die diese Entwicklung massgeblich mitgestaltet oder begleitet haben. Den Auftakt machen die aktuelle Geschäftsführerin, Eliane Kreuzer, und ihr Vorgänger, Peter Graf: zwei Perspektiven, die zeigen, was HSK stark gemacht hat – und welche Themen die Zukunft prägen werden.
Was hat die Einkaufsgemeinschaft HSK in den letzten 10 Jahren messbar verändert – und wo sieht man diese Wirkung heute am deutlichsten?
Peter Graf: Bereits vor der Gründung der Aktiengesellschaft hat die Einkaufsgemeinschaft HSK mit ihrem datenbasierten und tarifpartnerschaftlichen Ansatz einen neuen Standard gesetzt. Wir waren damals eine junge Akteurin – und es hat in der Tat an manchen Stellen «geknorzt». Solche Transformationsschritte verlaufen selten reibungslos. Wir haben früh gezeigt, dass sich mit klaren Modellen, Offenheit und Dialogbereitschaft Blockaden überwinden lassen. Dieser Ansatz hat uns stark gemacht und prägt HSK bis heute. Entscheidend war, dass wir konsequent auf Lösungen statt auf Blockaden gesetzt haben.
Eliane Kreuzer: Diese lösungsorientierte Grundhaltung ist bis heute unser Markenzeichen. Wir haben langjährige Festsetzungsverfahren beendet und mit unseren Tarifpartnern Einigungen erzielt, die Rechtssicherheit schaffen und eine gemeinsame Basis für die Zukunft legen. Die tarifpartnerschaftlichen Durchbrüche – zum Beispiel 2024 mit den Ostschweizer Ärztegesellschaften (K‑OCH) und dem VZK oder 2025 mit den Graubündener Spitälern– stehen exemplarisch dafür.
Unser aktuelles Vorhaben der Ambulantisierung und damit verbunden die Vorbereitung auf EFAS bekräftigen das. Für mich ist das gelebte Tarifpartnerschaft: zusammen konstruktiv verhandeln, komplexe Themen bewältigen und das System als Ganzes weiterbringen.
Welche Entscheidung oder Weichenstellung war für die Entwicklung der Einkaufsgemeinschaft HSK am prägendsten – und warum?
Peter Graf: Ein zentraler Schritt war die Gründung der HSK als Aktiengesellschaft im Jahr 2016. Damit erhielten wir eine klare Struktur, eigene Organe, eine eigene Organisation und eine neue Verbindlichkeit im Markt. Diese Professionalisierung stärkte unsere Durchsetzungskraft erheblich. Gleichzeitig konnten wir unsere bewährten Stärken – kurze Entscheidungswege, Pragmatismus und ein lösungsorientierter Verhandlungsstil – beibehalten. Der Wechsel in der Geschäftsführung 2018 fiel in eine Phase zunehmender Komplexität und brachte die nötigen neuen Impulse für die Weiterentwicklung der Organisation.
Eliane Kreuzer: Mit der Gründung der AG wurden wir zu einer echten Dienstleistungsgesellschaft. Wir erhielten einen klaren Auftrag unserer Aktionäre – und damit unserer Kunden –, und richteten Prozesse, Instrumente und Kompetenzen konsequent darauf aus. Wir haben Musterverträge, das gemeinsame Vertragsmanagement-Tool und unsere Informations-Plattform für die Versicherer lanciert und stetig weiterentwickelt. Ebenso haben wir neue Kompetenzen im Unternehmen aufgebaut, vom Tarifmanagement über den Datenbereich und die Rechtsexpertise bis hin zur Kommunikation. Ein weiterer zentraler Hebel ist die institutionalisierte Mitwirkung unserer Versicherer: Über das Koordinationsgremium fliessen operative Bedürfnisse direkt in die Verhandlungen ein, auf strategischer Ebene wirken sie im Verwaltungsrat an der Ausrichtung der HSK mit. Das Einstimmigkeitsprinzip in beiden Gremien schafft Geschlossenheit und verleiht der HSK Gewicht am Verhandlungstisch.
Was würde im Schweizer Gesundheitswesen ohne die Einkaufsgemeinschaft HSK verloren gehen?
Peter Graf: Auch wenn einzelne Tarife zu einem bestimmten Zeitpunkt vergleichbar erscheinen, zählt die langfristige Wirkung. Ohne tariflichen Wettbewerb läge das gesamte Tarifniveau heute spürbar höher. HSK hat als zweite grosse Einkaufsgemeinschaft den Markt belebt, Versicherer vereint und mit einer starken gemeinsamen Stimme verhandelt. Das hat verhindert, dass der Leistungseinkauf zu stark zersplittert – und hat gleichzeitig die Effizienz im System gestärkt.
Eliane Kreuzer: Was ebenso ohne die Einkaufsgemeinschaft HSK verloren ginge, ist ihre Innovationskraft – und genau darin unterscheiden wir uns am klarsten. Denn jemand muss im System den ersten Schritt machen, den andere kopieren können. Diese Rolle spielen wir heute konsequenter aus als in der Anfangszeit: HSK steht heute mehr denn je für tarifarische Weiterentwicklung. Wir bringen Bewegung in festgefahrene Situationen, öffnen Dialoge und bauen Brücken zwischen Positionen. Genau das braucht es: Fortschritt dort ermöglichen, wo Stillstand droht. Wir folgen dabei konsequent dem Grundsatz, gemeinsam neue Wege gehen.
In welchem Bereich will die Einkaufsgemeinschaft HSK Vorreiterin sein – und woran sollen Kunden und Partner das erkennen?
Eliane Kreuzer: Das Schweizer Gesundheitswesen steht vor grossen Reformen – mit deutlich mehr Komplexität. Gleichzeitig verschärfen sich die Positionen, was das Risiko von Blockaden erhöht. Genau hier wollen wir Vorreiterin sein: bei der Ambulantisierung, bei EFAS und bei der Entwicklung innovativer Tarifmodelle. Partner sollen erkennen, dass wir Bewegung erzeugen, wo es schwierig wird, und Reformen konstruktiv mitgestalten.
Für unsere Kunden – die Versicherer – zeigt sich diese Rolle besonders im Dienstleistungscharakter der HSK. Wir stellen sicher, dass sie jederzeit über klare, aktuelle und praxistaugliche Grundlagen verfügen: von gemeinsam entwickelten Musterverträgen, über transparente Übersichten zum Stand der Verhandlungen, Festsetzungen und rechtsgültigen Tarife bis hin zu einem strukturierten Vertragsmanagement und einer gemeinsamen Plattform für alle relevanten Informationen. Damit schaffen wir Prozesssicherheit und effiziente Abläufe und sorgen für einen wertvollen Wettbewerbsvorteil.
Peter Graf: Rückblickend war die Stärke der HSK immer, dass wir als geschlossener, aber schlanker Verbund gehandelt haben. Diese Struktur hat uns beweglich gemacht und ermöglicht, Lösungen zu finden, wo andere festgefahren waren. Das ist ein zentraler Mehrwert für das System –unterschiedliche Perspektiven bleiben sichtbar, konstruktiver Wettbewerb entsteht und tarifarische Innovation wird überhaupt erst möglich.
Welche unpopuläre Entscheidung hat sich rückblickend als richtig erwiesen?
Peter Graf: Ganz klar – der Austritt aus santésuisse. Ursprünglich sollten nur die stationären Verträge ausgelagert werden. Durch das «alles‑oder‑nichts»-Prinzip kam auch der ambulante Bereich hinzu, was den Start anspruchsvoller machte. Es war mutig, diesen Weg trotzdem zu gehen. Der Erfolg der HSK zeigt, dass es der richtige Entscheid war.
Eliane Kreuzer: Ebenso hat sich das Prinzip der einstimmigen Entscheide bewährt, auch wenn es manchmal Widerstände mit sich bringt. Es verlangt Kompromissbereitschaft, führt aber zu stabilen und getragenen Lösungen. Und: Mit der Gründung und dem Ausbau der HSK wurden Kompetenzen vom Versicherer zur HSK verlagert. Das war nicht überall beliebt, aber notwendig, um eine kraftvolle, eigenständige Organisation aufzubauen. Heute profitieren wir von fachlich und persönlich starken Teams – dem Fundament unseres täglichen Erfolgs.
Ausblick auf die Jubiläumserie
Im nächsten Teil unserer Jubiläumsserie sprechen wir mit dem Leistungschef des grössten Versicherers, welcher der Einkaufsgemeinschaft HSK angeschlossen ist. Er zeigt auf, was ein Tarifvertrag leisten muss, warum Tarifautonomie zentral bleibt und welche Rolle ein funktionierender Tarifwettbewerb für praxistaugliche Lösungen spielt. Zudem erläutert er, weshalb ein vielfältiger Verhandlungsmarkt wichtig ist – und welche Stärken er der HSK zuschreibt.
Anschliessend folgt in einem dritten Teil die Sicht eines Tarifpartners. Parallel dazu erweitern wir auf LinkedIn die Perspektive um weitere Stimmen aus dem Gesundheitswesen – mit Fokus auf die grossen Reformthemen EFAS und die ambulante Weiterentwicklung sowie auf die Frage, wie eine konstruktive Tarifpartnerschaft diese Entwicklungen unterstützen kann.
Das Interview führte Verena Haas.
Unterzeichnung Gründungsvertrag

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Verena Haas
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